Obduktionen

Der Pathologe obduziert nur, wenn eine natürliche Todesursache vorliegt und die Angehörigen einwilligen. Hat der Arzt, der den Tod bescheinigt, Zweifel an einem natürlichen Tod, wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Diese beauftragt dann ggf. die Rechtsmedizin (früher Gerichtsmedizin), den Leichnam zu obduzieren.

Eine Sektion in der Pathologie erfolgt auf Wunsch von Angehörigen oder um klinische oder versicherungsrechtliche Fragestellungen zu klären, beispielsweise ob eine berufsbedingte Erkrankung vorlag. Während der ca. zwei bis drei Stunden dauernden Untersuchung am geöffneten Leichnam lassen sich Hauptleiden und Todesursache mit hoher Gewissheit ermitteln. Eventuelle Krankheitsrisiken im familiären Umfeld können so erkannt und rechtzeitige Vorsorge oder Therapie eingeleitet werden.

Qualitätssicherung durch Obduktion

In der Medizin spielt die Obduktion eine wesentliche Rolle in der Qualitätssicherung. Das Krankheitsgeschehen, krankheitsbedingte Veränderungen und die darauf erfolgten therapeutischen Maßnahmen können unmittelbar und ganzheitlich betrachtet werden. Aus dem Zusammenhang von Grund- und Folgeerkrankung, der Todesursache sowie der Behandlungsunterlagen lassen sich wertvolle Erkenntnisse für künftige Therapien gewinnen. Wichtige Ergebnisse werden in den klinisch-pathologischen Fallbesprechungen interdisziplinär diskutiert und fließen in die Erforschung des jeweiligen Krankheitsbildes ein.

Im Hanse Histologikum beziehen wir die Obduktion in die Aus- und Weiterbildung angehender Pathologen und klinisch tätiger Ärzte ein. Für die Sektionen selbst halten wir Kapazitäten an allen Standorten außer der Zentrale bereit.

Übrigens: Das Missverständnis zwischen Rechtsmedizin und Pathologie lässt sich auf eine ungenaue Übersetzung in Filmen und TV-Serien aus dem englischen Sprachraum zurückführen. Im Original heißt der Rechtsmediziner „forensic pathologist“, dies wird im Deutschen meist verkürzt mit Pathologe übersetzt.